Eine Suche nach dem Nadelöhr unseres Gesundheitssystems...

Wie gut ist die Infrastruktur unseres Gesundheitssystems auf Corona vorbereitet? Wie viele Beatmungsbetten haben wir in Deutschland? Eine Geschichte von Zahlen, Daten, Fakten…



Volle Krankenhäuser; zu wenig Beatmungsgeräte; Militär-LKWs, die Leichen abtransportieren - Bilder und Geschichten, die uns diese Tage aus China, Italien und anderen Orten der Welt erreichen. Verständlicherweise drängen sich dann schnell Fragen auf wie “Wird es in Deutschland genauso verlaufen?”; “Ist unser System darauf vorbereitet?”; “Können wir jedem die beste Versorgung zukommen lassen?” Diese Fragen hängen maßgeblich an zwei Faktoren: an der Geschwindigkeit, mit der sich das Virus in Deutschland ausbreitet und an der Versorgungskapazität unserer Gesundheitssystems. Zahlreiche Verordnungen, Verbote, aber auch schöne Projekte wie dieser Blog, probieren die Ausbreitungsgeschwindigkeit stark einzuschränken. Aufgrund der Inkubationszeit von COVID-19 (Coronavirus Disease 19), gibt es eine Latenz von ein bis zwei Wochen, bis die Erfolgsrate der Maßnahmen letztendlich messbar ist. Über die Hintergründe und Maßnahmen rund um #flattenthecurve haben wahrscheinlich alle in den letzten Tagen bereits viel gelesen. Deswegen soll es in diesem Beitrag vor allem um den zweiten Faktor, die Kapazität unseres Gesundheitssystem gehen.


Das Corona-Virus befällt die Lungen der Patienten und löst dort unterschiedliche Schweregrade an Symptomen aus. Alles über: symptomfrei, Husten, Lungenentzündung bis hin zu einem fulminanten Lungenversagen, dem sogenannten ARDS (“Acute Respiratory Distress Symptom”). Letzteres ist eine schwerwiegende Erkrankung, die intensivmedizinisch und meist mit vorübergehender künstlicher Beatmung therapiert werden muss. In Italien müssen aktuell rund zehn Prozent aller positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Patienten auf Intensivstationen betreut und maschinell beatmet werden. Wie ist also unser System auf einen solchen Ansturm vorbereitet? Wie viele Intensivbetten gibt es in Deutschland? Ein Überblick der Zahlen:


Ist unsere Situation also gar nicht so negativ? Mit Vorsicht ausgedrückt kann man sagen, dass wir nicht die schlechteste Ausgangsposition haben: Wenn man von einer Woche Verweildauer pro Covid-19-Erkrankten ausgeht und davon, dass die Hälfte der Intensivbetten für Corona-Fälle zur Verfügung steht, können wir ca. 2000 kritische Patienten pro Tag aufnehmen. Geht man von einer 10%-Rate wie in Italien aus, würde das bedeuten, dass die Kapazitätsgrenze bei rund 20.000 Neuerkrankungen pro Tag liegt (aktuell 1.948 Neuinfektionen/Tag Stand 22.03.2020).


Natürlich ist das nur ein einfaches rechnerisches Modell und die Bedingungen ändern sich täglich. Letztendlich wird es auch darauf ankommen, wie gut wir unser medizinisches Personal vor einer Infektion schützen können. Ohne genügend Ärzt*innen und Pfleger*innnen helfen auch 50.000 Beatmungsplätze wenig. Essentiell für den Schutz des Personals ist dabei die richtige Schutzausrüstung (Anzüge und FFP2 Masken) und diese ist auch in Deutschland zur Zeit sehr knapp. Aktuell leistet die Bundeswehr Amtshilfe für das Bundesgesundheitsministerium und versucht, weltweit entsprechende Ausrüstung einzukaufen. Ob es jedoch gelingt im Moment noch Länder oder Firmen zu finden, die solch Material in größeren Mengen liefern können, ist fraglich. Vielleicht liegt hier am Ende das Nadelöhr.


Lasst uns trotzdem vorsichtig optimistisch in die Zukunft schauen und als Individuen das bestmögliche leisten, das heißt zum Beispiel Stay home, save lives ;) . Denn eines ist klar: Diese Krise können wir nur gemeinsam als Gesellschaft überstehen!


Liebe Grüße,

Cornelius

Ausblick auf die Zukunft:


Im letzten Jahr sorgte eine Studie der Bertelsmann-Stiftung für viel Aufsehen, die vorschlug die Krankenhausanzahl auf weniger als die Hälfte zu reduzieren. Das Ziel sei die Versorgungsqualität und den Personalmangel bei Pflegern und Ärzten zu verbessern.


Die aktuelle Situation dürfte zeigen wie wichtig eine flächendeckendes Netzwerk aus Krankenhäuser und eine gewisse Reserve bei der Bettenauslastung ist.


Deswegen erwartet uns nach Corona sicherlich eine neue und ggf. anders geführte Debatte über die deutsche Klinikslandschaft.



Quellen:


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